Start-up von der Saar entwickelt neuartiges Desinfektionsmittel

Das saarländische Start-up Wing-Tec GmbH ist auf dem besten Weg, den Desinfektionsmittelmarkt zu revolutionieren. Mit Unterstützung von der Homburger Forschung und saaris.

 

5. November 2018


Etwa 100 Mal täglich desinfiziert sich nicht nur Prof. Dr. Barbara Gärtner, Leiterin des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Uniklinik Homburg, die Hände während ihrer Arbeitszeit. Problematisch, denn die Verwendung traditioneller Desinfektionsmittel stellt zahlreiche Gefahren für den Anwender dar. Eine ganze Branche ist seit langem auf der Suche nach einer Lösung. Ganz nah dran ist jetzt das saarländische Start-up Wing-Tec. Es hat einen neutralen Desinfektionswirkstoff mit höchstmöglicher Wirkung bei gleichzeitig geringsten Schädigungen und null Nebenwirkungen entwickelt. Das Erfolgsrezept: ein körpereigener Wirkstoff, Natriumhypochlorit, der im menschlichen Körper von Abwehrzellen gebildet wird, um Keime im Körper zu eliminieren.

 

Hervorragende Gutachten

Getestet, begutachtet und zertifiziert wurde das Verfahren von renommierten, unabhängigen Instituten wie den Laboren Dr. Merk oder Dr. Brill. Die Ergebnisse sind hervorragend und damit auf dem besten Weg, auf die unabhängige VAH-Desinfektionsliste des Verbunds für Angewandte Hygiene aufgenommen zu werden. Während der zahlreichen Untersuchungen wurde festgestellt, dass der innovative Wirkstoff, genannt NEUTRAL+ION®, um ein Vielfaches effektiver wirkt als zum Beispiel Formaldehyd. Sowohl Noroviren als auch MRSA-Keime würden unglaub¬lich schnell bekämpft, wobei das Mittel keine gesundheitlichen Nachteile mit sich bringe, wie dies bei traditionellen Desinfektionsmitteln der Fall sei. Die angesehene Expertin der Uniklinik Homburg ist beeindruckt: „Dieser Wirkstoff hat das Potenzial, auch bei Anwendungsgebieten zu wirken, bei denen es noch keinen realistischen Lösungsansatz gibt.“ Sie denke beispielsweise an multiresistente Keime, Darmflora, Lebensmittel oder auch an die Psychiatrie-Hygiene, wo alkoholische Desinfektionsmittel problematisch sind.

 

„Gute Substanz im Reagenzglas“

Eine „gute Substanz im Reagenzglas“, so Barbara Gärtner, haben die Mitarbeiter von Wing- Tec entwickelt. Jetzt heiße es, ein Produkt daraus zu machen und dieses zur Marktreife zu bringen. „Es stellen sich jetzt viele Fragen. So wie die Akzeptanz der Mitarbeiter, die richtige Nutzung, Liefermodalitäten, Produktdesign, Qualitätsmanagement bezüglich der Wirksamkeit und Haltbarkeit“, so die Professorin in einem Gespräch mit den jungen Unternehmern und den saaris-Mitarbeitern Patrick Rosar und Dr. Thomas Siemer (healthcare.saarland).

 

Kooperationen in Forschung und Wirtschaft gesucht

Das Wing-Tec-Team ist zunächst an weiteren Untersuchungen interessiert. „Was ist noch möglich mit dem Wirkstoff? Welche weiteren Anwendungsgebiete wie Veterinärmedizin, Tierzucht, Schimmelbeseitigung, Lebensmittelverarbeitung oder Landwirtschaft sind denkbar? Diese Fragen möchten wir gemeinsam mit Industrie- und Forschungspartnern zukünftig beantworten“, erklärt Sascha Hahn die nächsten Schritte. Geplant werden derzeit Praxistests in der Klinikanwendung. Sowohl Professorin Gärtner als auch saaris unterstützen das engagierte Team. „Kooperationen mit Unternehmen, die den neuen Wirkstoff in Produkte umsetzen möchten sind dabei genauso gefragt wie weitere Forschungsprojekte, die es dann erlauben, mit validen Ergebnissen auf den Markt zu gehen. Auch die Suche nach geeigneten Fördermitteln wird dabei eine Rolle spielen“, so die FuE-Berater von saaris.

 

Kontakt

Dr. Thomas Siemer

E-Mail: Thomas.Siemer@saaris.de

Tel. 0681 9520 459


Sascha Hahn, Karsten Theobald, Jörg Wenskowski (alle Wing-Tec), Patrick Rosar, Dr. Thomas Siemer (beide saaris), Prof. Dr. med. Barbara Gärtner (Universitätsklinikum)