Nierentumore bei Kindern: Schonendere Therapie mit weniger kardialer Langzeittoxizität

Bei Kindern mit Wilms-Tumor und guter Heilungschance reicht eine weniger intensive Chemotherapie aus: Auf das kardiotoxische Doxorubicin kann verzichtet werden, so das Ergebnis einer aktuellen Studie.

 

19. Juli 2015



In Deutschland erkranken im Jahr rund 100 Kinder an einem Wilms-Tumor, einer seltenen Form von Nierentumoren. 90 % der Betroffenen haben gute Chancen, den Krebs zu besiegen. Eine internationale Studie unter Leitung des Homburger Kinderonkologen Professor Dr. Norbert Graf hat nun gezeigt, dass Kinder, bei denen eine gute Heilungschance besteht, eine weniger intensive Chemotherapie benötigen.

Denn hierbei wird bislang der Wirkstoff Doxorubicin verwendet, der bei den kleinen Patienten das Herz langfristig schädigen kann. Die Ergebnisse zeigen, dass das Risiko, später im Leben an einem Herzleiden zu erkranken, durch den Wegfall dieses Chemotherapeutikums deutlich gesenkt werden konnte. Die Studie wurde in der renommierten Fachzeitschrift "The Lancet" veröffentlicht.

Wilms-Tumoren im Stadium II bis III

"Bei den Kindern kann Doxorubicin als Langzeitfolge das Herz schädigen. In seltenen Fällen kann es sogar dazu führen, dass das Herz transplantiert werden muss", so Prof.  Graf, Direktor der Kinderonkologie des Universitätsklinikums in Homburg. Gemeinsam mit Kollegen aus Europa und Brasilien wurde daher in den vergangenen Jahren untersucht, welche Folgen es hat, wenn bei der Behandlung auf diesen Wirkstoff verzichtet wird. "Die 583 Kinder, die an der Studie teilgenommen haben, haben alle an einer mittelschweren Form des Tumors gelitten und gute Heilungschancen gehabt", so Prof. Graf.

Die Kinder wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Alle Patienten erhielten Vincristin  plus Actinomycin. Die Kontroll-Gruppe erhielt zusätzlich bei der Behandlung nach wie vor Doxorubicin, in der anderen Gruppe wurde erstmals auf dieses Medikament verzichtet. Bei den Patienten fanden nach der Therapie regelmäßig Kontrolluntersuchungen statt.

Keine schweren Nebenwirkungen am Herzen

"Wir haben gezeigt, dass die Patienten ohne das Chemotherapeutikum den Krebs genauso gut überwunden haben wie die Kinder, die das Mittel bekommen haben", so Prof. Graf. "Die Kinder können auf diese Weise schonender behandelt werden. Schwere Nebenwirkungen am Herzen bleiben ihnen erspart."

Die Studie wurde von der Internationalen Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie durchgeführt und in Deutschland von der Deutschen Krebshilfe finanziert. An der Arbeit waren von 2001 bis 2011 Mediziner und Forscher aus 26 Ländern beteiligt. "Nur durch eine solche internationale Zusammenarbeit ist es möglich, seltene Erkrankungen wie den Wilms-Tumor besser zu erforschen und bei betroffenen Kindern das Risiko zu senken, nach erfolgreicher Krebstherapie an einem Herzleiden zu erkranken", so Prof. Graf.

Quellen:
Pressemitteilung Universität des Saarlandes

Pritchard-Jones K et al., „Omission of doxorubicin from the treatment of stage II–III, intermediate-risk Wilms' tumour (SIOP WT 2001): an open-label, non-inferiority, randomised controlled trial”, Lancet 2015; DOI: 10.1016/S0140-6736(14)62395-3


Weitere Informationen:

Prof. Dr. Norbert Graf
Klinik für Kinderonkologie
Tel.: 06841  1628397
E-Mail: graf@uks.eu