Künstliche Intelligenz in der Hautkrebsdiagnostik

Interview mit Inga Bergen, CEO, Magnosco GmbH

 

9. April 2018


Besteht der Verdacht, dass ein Hautmal maligne Veränderungen aufweist, wird es meist zeitnah entfernt. Es ist jedoch nicht in allen Fällen zwangsläufig notwendig, das betroffene Gewebe zu exzidieren. Das Start-Up Magnosco hat ein Verfahren entwickelt, das mithilfe von Laser die Diagnose und Früherkennung von Schwarzem Hautkrebs unterstützt.

 

Im Interview mit MEDICA.de erklärt Inga Bergen, wie die von Magnosco entwickelte Methode zur Früherkennung funktioniert, für welche Ärzte und Patienten sie von besonderem Interesse ist und welche weiteren Zukunftspläne die Magnosco GmbH verfolgt.

 

Frau Bergen, Wie funktioniert das von Magnosco entwickelte Verfahren zur Früherkennung von Hautkrebs?

Inga Bergen: Für unser Verfahren nutzen wir Laserspektroskopie und Künstliche Intelligenz. Wir regen mit einem Laserstrahl das Melanin in der Haut zum Leuchten an und zeichnen die Reflektion auf. Aus dem Muster, das sich dabei ergibt, errechnen wir mithilfe eines Algorithmus' die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung des Gewebes. Auf diese Weise berechnen wir einen Score, also einen Punktwert, der angibt, ob es sich um benignes oder malignes Gewebe handelt. Das Verfahren ist recht einfach zu nutzen, denn man erhält am Ende einen Wert und muss nicht wie bei bildgebenden Verfahren das erhaltene Bild interpretieren.

 

Wie wurde das Verfahren in eine Gerätetechnologie überführt?

Bergen: Uns gibt es seit 2014 und seitdem haben wir begonnen, mit einem Prototyp klinische Studien durchzuführen. Das DermaFC hat im letzten November die Zulassung als Medizinprodukt der Klasse 2a erhalten. Wir haben es in unserem Haus entwickelt. Dort verfügen wir über ein kleines Team von 12 Leuten, in dem Ärzte, Physiker, Biologen, Informatiker, Ingenieure und Elektrotechniker zusammenarbeiten.

 

Wofür genau soll es angewendet werden?

Bergen: Unser Ziel ist, die gesamte Prozesskette in der Hautkrebsdiagnostik zu unterstützen. Dabei soll das Gerät zum Einsatz kommen, das wir schon heute benutzen, um direkt am Patienten eine diagnostische Empfehlung abgeben zu können. Wir verfügen außerdem über einen weiteren Prototyp dieses Geräts. Damit führen wir gerade eine Studie für ein Ex-Vivo-Gerät durch, in der wir exzidiertes Gewebe untersuchen. Im Moment fokussieren wir uns auf den Schwarzen Hautkrebs, und wir wollen das Verfahren künftig auch auf andere Hautkrebsarten ausweiten.

 

Welcher Arzt oder welche Gruppe von Ärzten kann das Gerät anwenden?

Bergen: Das DermaFC können alle Ärzte anwenden, die sich qualifiziert haben, Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen durchzuführen. Es ist insbesondere für Dermatologen, aber auch für Allgemeinärzte interessant. Insbesondere in medizinischen Versorgungszentren, in denen es mehrere qualifizierte Ärzte gibt, bietet sich der Einsatz des Gerätes an. In Deutschland bieten circa sechstausend Dermatologen und ca. 34.000 weitere Ärzte Hautkrebsvorsorge an.

 

Was unterscheidet diese Verfahren und das DermaFC von herkömmlichen Verfahren und Tests?

Bergen: Das DermaFC ist diagnostisch genauer und schneller. Es kann zum Beispiel kleinere Hautmale innerhalb von einer Minute messen. Da es sich auch nicht um ein kompliziertes bildgebendes Verfahren handelt, ist es für den Arzt einfach zu interpretieren. Die Untersuchung kann von medizinischem Fachpersonal durchgeführt werden.

 

Für welche Gruppe von Patienten ist es von besonderem Interesse?

Bergen: Das DermaFC ist für viele Arten von Patienten von Interesse. Zum einen gibt es Patienten, die sehr viele Hautveränderungen haben und bei denen daher viel exzidiert wird. Ihr Arzt will meist sichergehen, dass wirklich nur erkranktes Gewebe entfernt wird. Für alle Patienten ist es außerdem angenehm, sofort eine diagnostische Einschätzung zu bekommen und nicht im Zweifel weitere zwei Wochen warten zu müssen, bis die Befundung aus dem Labor kommt. Der gesamte Prozess wird beschleunigt. Alle Schritte können innerhalb von ein paar Minuten erledigt werden. Weist das Gewebe keine malignen Veränderungen auf, kann der Arzt entscheiden, es nicht zu entfernen. Der Patient muss nicht zur Nachsorge und es gibt keine. Narbe oder Fäden, die gezogen werden müssten. Das DermaFC kann außerdem eine Art Visualisierung der ärztlichen Leistung darstellen. Manche Patienten sind eher ängstlich und fühlen sich sicherer, wenn der Arzt anhand eines Geräts erklären kann, warum er diese Diagnose stellt. Ein hochwertiges Gerät und seine Diagnose stärken somit in den meisten Fällen das Vertrauen der Patienten.

 

Wäre es möglich, das Verfahren in eine App einzubetten und zu überführen?

Bergen: Ich glaube, es wird nicht möglich sein, das Verfahren komplett in eine App einzubetten. Self Examination ist sinnvoll, um Aufklärung zu betreiben, damit Patienten auch sofort zum Arzt gehen, wenn sie irgendetwas Verdächtiges entdecken. Ganz ohne Arzt ist es aber sehr schwierig für Patienten, selber eine präzise Diagnose zu treffen. Ich arbeite schon lange im Bereich Digital Health und habe die Erfahrung gemacht, dass Patienten bei Diagnose und Behandlung eine Unterstützung brauchen. Die Person muss nicht immer im selben Raum sein, auch telemedizinische Methoden sind hilfreich, aber Patienten brauchen letztendlich einen Arzt zur Einordnung. Deswegen werden wir nichts bereitstellen, was Patienten völlig auf sich alleine gestellt nutzen können. Unsere Lösungen sollen in jedem Fall Ärzte miteinbeziehen.

 

Welche weiteren Pläne hat Magnosco für die Zukunft?

Bergen: Wir sind im Moment in Deutschland aktiv und suchen die ersten Kunden. Entschieden haben wir uns dafür, zunächst eine kleine Gruppe von Kunden anzusprechen. Nächstes Jahr werden wir dann bereit sein, unser Gerät in Serie zu produzieren. Anschließend wollen wir uns den amerikanischen Markt vornehmen.

 

Das Interview wurde geführt von Julia Unverzagt. MEDICA.de


Das von Magnosco entwickelte DermaFC ermöglicht eine schnelle und präzise Diagnose von Schwarzem Hautkrebs.