Gesundheit – der stille Job-Motor im Saarland

Die Gesundheitswirtschaft ist im Saarland ein bisher unterschätzter Wachstums- und Beschäftigungsfaktor.

 

14. März 2018


Die Pflege ist dabei der stärkste Job-Motor. Es zeigen sich jedoch auch Handlungsbedarfe bei der Gestaltung der Arbeitsbedingungen und der Koordinierung der Versorgungsangebote. Das zeigt eine Studie des Saarbrücker Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft (iso) im Auftrag der Arbeitskammer des Saarlands.

 

Viele politische und gesellschaftliche Akteure im Saarland verorten die Region nach wie vor im Kern als „Industrieland“. In dieser Selbstwahrnehmung führt die Gesundheitswirtschaft eher ein Schattendasein. Die vorliegende Branchenanalyse zeigt jedoch, welche Leistungen für die Versorgung und Lebensqualität der Menschen in der Region diese Branche erbringt und welche Potenziale für die Wertschöpfung und Beschäftigung sie im Saarland entfaltet. Die Gesundheitswirtschaft bietet in rund 4.000 Betrieben mehr als 85.000 Menschen einen Arbeitsplatz. Damit übersteigen die Beschäftigtenzahlen in der Branche deutlich zum Beispiel die des saarländischen Metallgewerbes und der Automotive-Branche. Die Dienstleistungen der Gesundheitswirtschaft tragen zur Versorgung, Gesundheit und Lebensqualität der Menschen im Saarland bei und entfalten damit eine unmittelbare Wirkung in der Region.

 

Dabei sticht im Vergleich zu anderen Regionen die Vielfalt der Branchensegmente im kleinsten Flächenland der Bundesrepublik hervor. Weltweit agierende Unternehmen der Medizintechnik, Medizinproduktehersteller und Pharmaunternehmen finden sich neben mittelständischen Betrieben des Gesundheitshandwerks und einer Vielzahl an Anbietern in Pflege und medizinischer Versorgung. Darüber hinaus werden im Saarland eine international anerkannte Forschungslandschaft und hochspezialisierte Medizinzentren durch breit aufgestellte Ausbildungsstätten und Projekte grenzüberschreitender Kooperation ergänzt.

 

Der Anteil der Dienstleistungen ist in der saarländischen Gesundheitswirtschaft im bundesweiten Vergleich besonders stark ausgeprägt. Dies zeigt sich zum Beispiel anhand der im Verhältnis zur Bevölkerungszahl relativ hohen Anzahl der Kliniken sowie der stationären Pflegeplätze. Aufgrund der demografischen Entwicklung stellt das Saarland mit seinem hohen Altersdurchschnitt aber auch einen starken Markt mit einer steigenden Nachfrage nach medizinischen und pflegerischen Leistungen dar. Als Folge plant die saarländische Landesregierung für die nächsten Jahre eine Ausweitung der Kapazitäten in den Kliniken und eine weitere Stärkung der geriatrischen Kompetenzen. Hinzu tritt – als Folge von Investitionsentscheidungen der Träger – eine überdurchschnittliche Dichte an Heimplätzen in der Region. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass die Pflege als wichtigster Beschäftigungsmotor für die saarländische Gesundheitswirtschaft gelten kann. Insbesondere in den stationären Pflegeheimen sind in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Arbeitsplätze entstanden. Die in der Vergangenheit dominierenden Einschätzungen, dass der Markt für die stationäre Pflege zugunsten ambulanter Versorgungsformen gesättigt sei, haben sich nicht bestätigt.

 

Bisher wurde der Beschäftigungsstruktur in der Branche wenig Beachtung geschenkt. Hier zeigen sich jedoch gerade bei der Verbreitung geringfügiger Beschäftigungsverhältnisse deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Segmenten in der Gesundheitswirtschaft. Besonders stark scheinen die in der Regel kleinen Betriebe aus der ambulanten Pflege, Arztpraxen und die privaten Anbieter von Sport, Wellness und Erholung auf diese vielfach als „prekär“ eingeschätzte Beschäftigungsform zurückzugreifen.

 

Zwar gewinnt innerhalb der saarländischen Gesundheitsbranche auch der so genannte „zweite Gesundheitsmarkts“ an Gewicht, also privat finanzierte Angebote zum Beispiel im Bereich von Fitness-Studios, Wellness und Gesundheitstourismus. Dennoch dominieren weiterhin die öffentlich bzw. durch Beiträge finanzierten Leistungen sowohl in ihrer Wirtschaftskraft, als auch in ihrer Bedeutung für die Beschäftigung. Der „zweite Markt“ bleibt bisher marginal: So stellt er im Saarland nur acht Prozent der Arbeitsplätze in der Gesundheitswirtschaft und etwas mehr als ein Prozent der Gesamtbeschäftigung. Rechnet man die vielen geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse ein, so reduziert sich mit Blick auf das Beschäftigungsvolumen die Bedeutung des „zweiten Gesundheitsmarkts“ noch einmal erheblich. Insofern sollten Strategien zur wirtschaftspolitischen Förderung dieses Segments dessen Potenziale realistisch einschätzen und dessen Beschäftigungsqualität kritisch reflektieren, so ein wichtiges Resümee der Studie.

 

Quelle:

Informationsdienst Wissenschaft - idw -

Pressemitteilung Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft e.V. (iso)

Dr. Volker Hielscher