Studie von UKS-Medizinern bei weltweit größtem Krebskongress ausgezeichnet: Fortschritte in der Behandlung aggressiver Lymphome

30. August 2017


Bei dem weltweit größten Krebskongress, einer Fachveranstaltung der American Society of Clinical Oncology (ASCO), Anfang Juni in Chicago fand ein Beitrag der Deutschen Studiengruppe für Hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome (DSHNHL), die von Medizinern des Universitätsklinikums des Saarlandes UKS in Homburg geleitet wird, großen Anklang: Die Vorstellung der Ergebnisse der OPTIMAL>60-Studie wurde von der Fachwelt als „Best of ASCO“, also einer der besten Vorträge des Kongresses, ausgezeichnet. Vereinfacht erklärt, untersucht diese Studie, wann Patienten mit einer aggressiv wachsenden bösartigen Lymphknotenerkrankung, den diffusen großzelligen B-Zell-Lymphomen (DLBCL), von einer Bestrahlung profitieren.

 

Die diffusen großzelligen B-Zell-Lymphome (DLBCL), eine aggressiv wachsende bösartige Lymphknotenerkrankung, sind die häufigsten Lymphome überhaupt. Dank der Einführung des monoklonalen CD20-Antikörpers Rituximab konnten die Therapieergebnisse bei dieser Lymphomart in letzter Zeit so verbessert werden, dass heute weniger als die Hälfte der Patienten mit DLBCL an ihrem Tumor versterben, als dies noch vor 15 Jahren der Fall war. Weltweite Standardtherapie beim DLBCL ist die Kombination aus einer Immuntherapie mit Rituximab und einer Chemotherapie mit dem sog. CHOP-Schema. Obwohl weltweit viele Arbeitsgruppen seit Einführung von Rituximab keine Strahlentherapie mehr geben, konnte die Deutsche Studiengruppe für Hochmaligne Non-Hodgkin-Lymphome (DSHNL), die ihre Zentrale am UKS in Homburg hat, zeigen, dass das Weglassen der zusätzlichen Strahlentherapie bei Patienten mit großen Tumormassen (sog. „Bulky Disease“ oder Bulk, definiert als Tumormasse >7.5 cm) zu deutlich niedrigeren Heilungsraten führt. „Da die zusätzliche Strahlentherapie Nebenwirkungen hat, haben wir es uns in der neuen OPTIMAL>60-Studie zum Ziel gemacht, die Patienten mit Bulk zu identifizieren, die doch keine Strahlentherapie benötigen. Wir stellten die Hypothese auf, dass bei „Bulky Disease“, das nach der Immunochemotherapie nicht mehr vital ist, keine Strahlentherapie benötigt wird“, erläutert Professor Michael Pfreundschuh, Direktor der Klinik für Innere Medizin I des UKS in Homburg. Dass ein Bulk kein „vitales“ Lymphomgewebe mehr enthält, lässt sich mit der Positronen-Emissionstomographie (PET) feststellen.

 

In der OPTIMAL>60-Studie erhalten die Patienten nach 6xRCHOP, also der Immunochemotherapie, eine PET-Untersuchung, und nur noch Patienten mit einem „PET-positiven“ Bulk werden bestrahlt. Die geplante Zwischenanalyse mit den ersten 187 Bulk-Patienten der OPTIMAL>60-Studie zeigte nun, dass auf diese Weise 42% weniger Patienten eine Strahlentherapie erhalten. Wichtiger noch ist die Tatsache, dass das PET-basierte Weglassen der Strahlentherapie nicht zu einer Verschlechterung der Heilungsrate führt. Im Gegenteil, die Ergebnisse der Bulk-Patienten in der OPTIMAL>60-Studie waren im Vergleich zu ihrem Vorgänger, der RICOVER-60 Studie, wo alle Bulks bestrahlt worden waren, sogar mit einer starken Tendenz besser.

 

„Andererseits profitieren die Patienten, die aufgrund des PET-Befundes noch eine Strahlentherapie benötigen, deutlich von der Bestrahlung und weisen durch die Radiotherapie, trotz Restbefund, gleich gute Heilungsraten auf, wie die Patienten ohne Restbefund“, erklärt Professor Christian Rübe, Direktor der Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie des UKS in Homburg.

 

„Ich gratuliere unseren Homburger Forschern für ihre wertvolle und international sichtbare Arbeit zur optimalen Behandlung aggressiver Lymphome“, dankt Professor Bernhard Schick der Ärztliche Direktor und Vorstandsvorsitzende des UKS.

 

Die Vorstellung der Ergebnisse der OPTIMAL>60-Studie auf dem Jahreskongress der American Society of Clinical Oncology (ASCO) Anfang Juni in Chicago fand weltweite Beachtung und wurde zu den „Best of ASCO“ gewählt.

 

Diese neue Therapiestrategie erhalten bis auf Weiteres nur Patienten, die sich im Rahmen der OPTIMAL>60-Studie der DSHNHL behandeln lassen, da die PET-Untersuchung von den Kostenträgern in Deutschland außerhalb dieser Studie nicht erstattet wird. Die Entscheidung über eine Kostenerstattung außerhalb der Studie wird voraussichtlich erst nach Abschluss und Publikation der OPTIMAL>60-Studie im Jahr 2020 erfolgen.

 

Kontakt für Journalisten
Univ.-Prof. Dr. Michael Pfreundschuh
Klinik für Innere Medizin I - Onkologie, Hämatologie,
Klinische Immunologie und Rheumatologie
Universitätsklinikum des Saarlandes und
Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Tel. 0 68 41 / 16 - 1 50 10
www.uks.eu/onkologie
 
Univ.-Prof. Dr. Christian Rübe
Klinik für Strahlentherapie und Radioonkologie
Universitätsklinikum des Saarlandes und
Medizinische Fakultät der Universität des Saarlandes
Tel. 0 68 41 / 16 - 2 46 06
www.uks.eu/strahlentherapie