Materialien nach dem Vorbild der Natur: Workshop lockt internationale Koryphäen ins Saarland

31. Mai 2016


In einem zweitägigen Spitzenworkshop versammelt das INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien internationale Koryphäen aus der Materialwissenschaft. Über hundert Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen diskutieren über neueste Erkenntnisse zu Materialien, die nach dem Vorbild der Natur funktionieren und über deren industrielle und medizinische Anwendungen. Geladene Redner sind unter anderem Forscher renommierter Institutionen wie des Weizmann Instituts in Israel, der University of Cambridge und des Max-Planck-Instituts für Intelligente Systeme sowie führender amerikanischer Universitäten wie der Harvard University, der Stanford University und der University of California. Die Veranstaltung findet am 7. und 8. Juni in der Aula der Universität des Saarlandes statt.
 
Mit dem Workshop Engineering of bioinspired materials bekräftigt das INM seine Forschung auf dem Gebiet moderner funktioneller Oberflächen und Mikrostrukturen. Darin entwickelt das INM dreidimensionale Strukturen und Oberflächen, die auf verschiedensten Untergründen rückstandslos haften und deren Funktionen sich durch äußere Reize an- und ausschalten lassen. Eduard Arzt, Wissenschaftlicher Geschäftsführer am INM, erhielt dafür vor zwei Jahren einen Advanced Grant des European Research Council (ERC) in Höhe von 2,5 Millionen Euro. Der Workshop findet im Rahmen dieses Advanced Grants „Switch2Stick“ statt.
 
Während des Workshops erörtern Forscherinnen und Forscher zum einen, welche Beschaffenheit pflanzliche oder tierische Oberflächenstrukturen haben und wie sich diese mit künstlichen Materialien nachahmen lassen. „Der Blick auf die Natur ist von großer Bedeutung für die moderne Materialwissenschaft, aber auch für aktuelle industrielle Entwicklungen geworden“, erklärt Professor Arzt. „Dadurch haben sich neue Konzepte ergeben, die in der Robotik, dem Transportwesen, der Produktionstechnik, aber auch in die Medizin Eingang finden.“ Die Vorträge überspannen einen breiten Themenkreis von Materialvorbildern in Meeresbewohnern über Pflanzenmodelle aus dem Botanischen Garten bis zu neuen 3D-Mikroarchitekturen, Grundlagen moderner Kosmetikprodukte und „Soft Machines“. Eine zentrale Rolle spielen haarförmige Oberflächenstrukturen, wie sie im INM derzeit unter dem Markennamen Gecomer® für verschiedenste Industriebereiche entwickelt werden.
 
Schließlich gehen die Workshopteilnehmer der Frage nach, inwieweit unterschiedliche Oberflächenstrukturen das menschliche Fühlen beeinflussen: Durch äußere Reize, wie zum Beispiel Temperatur oder elektrische Felder, können die Oberflächenstrukturen verändert werden. Dieses Schalten der Mikrostrukturen ermöglicht neben den Haftprinzipien auch, ein unterschiedliches Tastempfinden beim Menschen hervorzurufen. Mit solchen sich verändernden Oberflächen könnten künftig zum Beispiel Autolenkräder oder Touchscreens dem Nutzer Gefahren- oder Antwortsignale senden. Damit ließe sich der Tastsinn bei der zukünftigen Kommunikation Mensch - Computer nutzen.
 
Ihr Experte:
Prof. Dr. Eduard Arzt
INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien
Wissenschaftlicher Geschäftsführer und Vorsitzender der Geschäftsführung
Leiter Funktionelle Mikrostrukturen
Tel: 0681-9300-500
eduard.arzt@leibniz-inm.de
 
Organisation vor Ort:
Christine Hartmann
Veranstaltungsmanagement
INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien
Tel: 0681-9300-244
christine.hartmann@leibniz-inm.de
 
Das INM – Leibniz-Institut für Neue Materialien erforscht und entwickelt Materialien – für heute, morgen und übermorgen. Chemiker, Physiker, Biologen, Material- und Ingenieurwissenschaftler prägen die Arbeit am INM. Vom Molekül bis zur Pilotfertigung richten die Forscher ihren Blick auf drei wesentliche Fragen: Welche Materialeigenschaften sind neu, wie untersucht man sie und wie kann man sie zukünftig für industrielle und lebensnahe Anwendungen nutzen? Dabei bestimmen vier Leitthemen die aktuellen Entwicklungen am INM: Neue Materialien für Energieanwendungen, Neue Konzepte für medizinische Oberflächen, Neue Oberflächenmaterialien für tribologische Systeme sowie Nano-Sicherheit und Nano-Bio. Die Forschung am INM gliedert sich in die drei Felder Nanokomposit-Technologie, Grenzflächenmaterialien und Biogrenzflächen.
Das INM mit Sitz in Saarbrücken ist ein internationales Zentrum für Materialforschung. Es kooperiert wissenschaftlich mit nationalen und internationalen Instituten und entwickelt für Unternehmen in aller Welt. Das INM ist ein Institut der Leibniz-Gemeinschaft und beschäftigt rund 220 Mitarbeiter.