Einfacher als gedacht: Erfolgreicher Umgang mit Stress

31. August 2017


Stress nimmt in der Wirtschaft bei Führungskräften und Mitarbeitern gleichermaßen deutlich zu.

 

Michael Hilgert, deutschlandweit erfolgreicher Trainer im Stressmanagement weiß um die Gefahr des Unternehmenserfolgs, wenn dieser negative Aktivposten nicht minimiert wird. Wir sprachen mit ihm über die Stressbewältigung jedes Einzelnen und im Betrieb.

Herr Hilgert, was genau ist eigentlich Stress?
Stress ist eine natürliche Reaktion auf Belastungssituationen. Wie wir damit umgehen, hängt von unserer Genetik und unserer Umwelt ab. Wenn wir verstehen, was bei Stress in unserem Körper genau vorgeht, können wir dem negativen Stress aktiv etwas entgegensetzen.

 

Sie sehen das Gehirn als den Auslöser für Stress. Können Sie das erklären?

Ja, unser Gehirn funktioniert wie ein Computer, dessen Programme heute noch fast genauso ablaufen wie vor Millionen von Jahren. Im Laufe der Evolution hat unser Gehirn zum Selbstschiutz und zum Überleben gelernt, auf negative Einflüsse wesentlich empfindlicher zu reagieren als auf positive. Daher kommt der sogenannte negative Stress. Wir können aber lernen, mit Stress richtig und erfolgreich umzugehen.

 

Wie läuft Stress im Körper ab?

Drei Phasen durchläuft der Körper beim Empfinden von Stress. Die Schockphase, Widerstandsphase- und Erschöpfungsphase. Wirken die Stressoren längerfristig, das heißt beispielsweise Blutdruckveränderungen, Unterzuckerung, Adrenalin- und andere Hormomausschüttung, kommt es irgendwann zur Erschöpfung, die langfristig zu dauerhaften Schädigungen führen können. Kurzfristig machen uns körperliche und seelische Anspannung leistungsbereiter, langfristig zu Überbelastung und Krankheit. Die da wären Herzprobleme, Bluthochdruck, Schmerzen im Bewegungsapparat, Tinnitus und Depressionen.


Wie hat sich der Stress der Steinzeitmenschen heute verändert?
Die körperlichen Reaktionen sind noch die gleichen: Schwitzen, Verspannung der Muskulatur, Herz-Kreislauf- und Magen-Darm-Probleme. Was früher aber positive Aspekte hatte und zum Überleben diente, verkehrt sich heute ins Gegenteil: Burnout und Volkserkrankungen. In einer Stresssituationen beispielsweise, wenn sich Muskeln anspannen und verkrampfen, werden viel weniger Sauerstoff und Nahrungskomponenten zu den Organen transportiert. Es wird uns nicht mehr möglich, entspannt und gelassen, richtig zu reagieren oder die ausgeschütteten Stresshormone zeitnah abzubauen. Diese werden durch noch mehr Stress kumuliert. Das schafft unser Körper nur kurzfristig, denn er benötigt den regelmäßigen Ausgleich zwischen Be- und Entlastung. Stress und Freude müssen sich abwechseln, sonst leiden wir physisch und psychisch. Das zieht mehr und mehr in eine Abwärtsspirale.


Was kann jeder Einzelne gegen Stress tun?
Zuerst einmal muss man sich klar machen, dass man selbst für sich verantwortlich ist und jederzeit aktiv gegen den Stress ankämpfen kann. „Lohnt es sich, sich in einer Situation aufzuregen und sich damit noch mehr Stress aufzuhalsen“, könnte die erste Frage sein.


Wie sieht ihr Programm des Stressabbaus aus?

Stress kann nicht vermieden werden. Deshalb müssen wir lernen, diesen erfolgreich abzubauen. Instrument hierfür sind Kommunikation, Selbstreflexion und Aktion.


Können Sie das näher erklären?
Ja ich nenne Ihnen gerne einige Beispiele: Stress verändert die Atmung. Bewusste Atemübungen können im richtigen Moment helfen.. Bewegung sorgt für Energierückgewinnung. Übungen, die es ermöglichen, in kürzester Zeit unsere Muskulatur effektiv zu trainieren, unterstützen den Prozess des Stressabbaus. Wichtig ist auch, bewusst und mit Sachverstand Gefahren etwas zu relativieren. Früher kämpften die Menschen täglich um ihr Überleben. So ist unser Gehirn immer noch ausgelegt. Das heißt, wir sehen Gefahren viel gefahrvoller als sie letztendlich sind. Wir müssen lernen, uns aktiv auf den (meist nicht so schlimmen) Worst-Case zu konzentrieren und zunehmend wieder das Schöne in den Vordergrund rücken.


Wie sieht es in Unternehmen aus? Welcher Weg führt Ihrer Meinung nach dort zum Erfolg?
Ich bin sicher, dass die Wertschätzung der Mitarbeiter der Schlüssel zum Erfolg ist. Druck ist erwiesenermaßen nicht zielführend. Also muss ich als Unternehmer eine positive Emotion, positiven Stress beim Mitarbeiter auslösen. Das wird die Herausforderung der Zukunft in der Personalführung sein. Ein zweites Instrument wird die Mitbestimmung sein. Wenn ich an Entscheidungen teilhabe, habe ich das Gefühl, aktiv ins Geschehen einzugreifen. Wenn nicht, entsteht Stress durch das Gefühl, ausgeliefert zu sein.


Das heißt, der Mensch wird in Zukunft noch wichtiger im Unternehmen?
Ja, denn wir leben in einer Welt vergleichbarer und austauschbarer Produkte. Vertrauen wird langfristig die Komponente Preis schlagen. Und für Vertrauen benötigt es den Menschen und seine positiven Emotionen.

 

Wie verändern sich durch die zunehmende Digitalisierung nach Ihrer Erfahrung die Strukturen und der Stresslevel bei den Führungskräften und Mitarbeitern in Unternehmen?
Die zunehmende Digitalisierung bringt zwei Herausforderungen mit sich. Zum einen entkoppeln wir uns im sozialen Bereich, zum anderen werden wir mit einer großen Menge an (oft negativen) Daten überhäuft, die dazu führen können, dass unser Gehirn ständig im Alarmzustand ist. Diese Gefahr wird für unser Gehirn, also für uns zur Bedrohung, weil wir nicht in Wahrscheinlichkeiten denken (wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit mit dem Flugzeug abzustürzen..) sondern die Warnung "ACHTUNG GEFAHR" direkt in unser Handlungsspektrum übernehmen.


Sehen Sie große Unterschiede in der Stressverarbeitung bei den Belegschaften bzw. zwischen den Hierarchien?
Nein, am Ende sind es Menschen und Ja, denn wir empfinden dann Stress am stärksten wenn wir wenig oder keine Möglichkeit der Einflussnahme auf Prozesse haben. Kommunikation und Transparenz gepaart mit individueller Mitbestimmung, die der einzelne fachlich und positionsgetreu tragen kann, wird ein wesentlicher Faktor in Richtung einer Stressredukion sein


Wie können Führungskräfte und Mitarbeiter vor allem der zusätzlichen Belastung durch die Digitalisierung entgegentreten?

Resilienz, die Widerstandsfähigkeit gegen Stress, wird maßgeblich durch drei Faktoren beeinflusst

  1. Wir sind bewegende Wesen - Bewegung muss ein Teil unseres Alltags bleiben
  2. Wir sind soziale Wesen - bei aller Belastung brauchen wir soziale Strukturen, die uns Halt geben
  3. Wir sind denkende Wesen - wir brauchen Visionen, Ziele, Träume und dürfen nicht in dem Alltag der Operative versinken

 

Was können Sie als Stressmanagement-Trainer den Unternehmen bieten?

Aufgrund des Bundespräventionsgesetzes vom 01.01.2016 sind Krankenkassen verpflichtet, allen gesetzlich Versicherten 80-100% der Kosten, aber mindestens 75,-€  zu erstatten. Dies zählt allerdings nur für Maßnahmen/Projekte, die von der ZPP (Zentrale Prüfstelle für Prävention) zertifiziert sind. Diese Zertifizierung besitzen wir seit dem 10.Juni. Wir greifen auf ein bundesweites Netzwerk von Trainern zurück, die Unternehmen sowohl regionale Erreichbarkeit, als auch überregionale Schulungen garantieren. Wir arbeiten mit Qualität und es ist für uns eine ganz besondere Auszeichnung, als derzeit einziges, nach den neuen Richtlinien (Stand 20.06.2017) zertifiziertes Projekt, in Deutschland am Markt zu sein. Wir alle brennen für das Projekt, ich habe das Glück mit großartigen Menschen unsere gemeinsame Vision mehr Lebensqualität in unser aller Leben zu bringen voranzutreiben.

  Michael Hilgert:  www.wege-aus-der-stressfalle.de