Deutsche Herzstiftung fördert ihre erste Stiftungsprofessur für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler

15. Dezember 2017


Dank verbesserter Diagnostik und Therapiemethoden sterben heute deutlich weniger Kinder mit angeborenen Herzfehlern als früher. Dementsprechend erreichen auch deutlich mehr Menschen mit angeborenem Herzfehler das Erwachsenenalter. Deren Behandlung stellt die Medizin vor neue Herausforderungen, da diese Patientengruppe bisher kaum existent war. Die Deutsche Herzstiftung hat daher ganz bewusst ihre erste Stiftungsprofessur für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) ausgelobt. Sie geht an die Medizinerin Prof. Dr. med. Tanja Rädle-Hurst, die am Universitätsklinikum des Saarlandes arbeitet. 

 

Dank des medizinischen Fortschritts erreichen auch immer mehr Kinder, die mit einem angeborenen Herzfehler zur Welt kommen, das Erwachsenenalter. Schätzungsweise 280.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) leben in Deutschland. Ihre Zahl wächst jährlich mindestens um ca. 6000. Diese wachsende Patientengruppe ist allerdings nahezu ein Novum in der Medizin. Entsprechend hoch ist der Bedarf an Kenntnissen zu den spezifischen Anforderungen, die EMAH-Patienten stellen. Diese Wissenslücken möchte die Deutsche Herzstiftung mit der Stiftungsprofessur für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) schließen. „Angesichts der Vielfalt der angeborenen Herzfehler mit ihren individuellen Verlaufs- und Behandlungsformen ist es meist nur Spezialisten möglich, diese Krankheitsbilder sicher zu beurteilen. Neue Erkenntnisse, die zur besseren Versorgung dieser Patienten beitragen, sind daher enorm wichtig. Die neue EMAH-Stiftungsprofessur ist hierbei ein wichtiger Baustein“, erläutert Prof. Dr. med. Thomas Meinertz, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

 

Auf die Professur wurde Prof. Dr. med. Tanja Rädle-Hurst, EMAH-zertifizierte Kardiologin an der Klinik für Pädiatrische Kardiologie des Universitätsklinikums des Saarlandes, berufen. Die Ärztin sieht auf dem EMAH-Gebiet einen dringenden Forschungsbedarf. „Bei angeborenen Herzfehlern sind die Krankheitsmechanismen anders als bei erworbenen Herzerkrankungen. Es ist deshalb wichtig, das Spezialgebiet ,EMAH‘ universitär zu etablieren und im wissenschaftlichen Sinne zu vertreten. Nur so kann sichergestellt werden, dass für diese besondere Patientengruppe mit ihren speziellen Problemen wissenschaftliche Forschung stattfindet, die die spezifischen Fragestellungen beantwortet und darauf zielt, die medizinische Versorgung von EMAH-Patienten kontinuierlich zu verbessern.“

 

Zwar kann die große Mehrheit der angeborenen Herzfehler heute operativ – einfachere Fehlbildungen des Herzens zum Teil ohne Operation per Kathetereingriff – so gut behandelt werden, dass die meisten ein fast normales Leben führen. Trotzdem ist für EMAH-Patienten eine kontinuierliche fachärztliche Weiterbehandlung im Erwachsenenalter lebenswichtig, weil sie sonst schwerwiegende Spätkomplikationen wie Herzschwäche, Lungenhochdruck, eine Herzinnenhautentzündung oder sogar lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen bis hin zum plötzlichen Herztod riskieren.

 

Vor allem bei den komplexen angeborenen Herzfehlern kann es im Langzeitverlauf zum Auftreten einer Herzinsuffizienz kommen, in deren Verlauf das Herz nicht die volle Pumpleistung erbringt. Die frühzeitige Diagnostik und Therapie einer eingeschränkten Pumpleistung ist lebenswichtig für die Patienten. Eine wichtige Rolle spielen hier Biomarker, spezielle Bestandteile im Blut, aus deren Konzentration und Zusammensetzung die behandelnden Ärzte eine medikamentöse Therapie ableiten oder intensivieren können. Da die bisher für die Herzinsuffizienz herangezogenen Biomarker bei Patienten mit angeborenem Herzfehler einige Nachteile aufweisen, sollen im Rahmen der Stiftungsprofessur neue Biomarker untersucht werden, die möglicherweise besser zur Therapiesteuerung und Prognoseeinschätzung geeignet sind. Zudem soll der Stellenwert von Micro-RNAs (Kopien von bestimmten Genabschnitten) im Blut bei verschiedenen Herzfehlern und Patienten mit und ohne Herzinsuffizienz evaluiert werden.

 

Tanja Rädle-Hurst arbeitet seit 2006 am Universitätsklinikum des Saarlandes in der Klinik für Pädiatrische Kardiologie (Direktor: Prof. Dr. med. Hashim Abdul-Khaliq). Seit 2009 ist die Ärztin EMAH-zertifizierte Kardiologin. Sie hat ihr Studium der Humanmedizin an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und anschließend ihre Ausbildung zur Fachärztin für Innere Medizin/ Kardiologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen absolviert. Bereits 2012 habilitierte sie sich auf dem neuen Gebiet der EMAH-Kardiologie, was für die Medizinische Fakultät (Dekan: Prof. Dr. med. Michael Menger) damals ebenfalls ein Novum darstellte. Die Stiftungsprofessur hat eine Laufzeit von 5 Jahren. Ihre Finanzierung wird dank einer großzügigen Erbschaft möglich, welche die Deutsche Herzstiftung mit der Auflage erhalten hatte, sie für ein Projekt auf dem Gebiet der angeborenen Herzfehler einzusetzen.

 

Deutsche Herzstiftung e. V. 

Als Deutschlands größte Patientenorganisation auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Erkrankungen gehört es zu den Hauptaufgaben der Deutschen Herzstiftung (www.herzstiftung.de) Herzpatienten in unabhängiger Weise über Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aktuelle Behandlungsmethoden und Möglichkeiten der Vorbeugung aufzuklären und die Herz-Kreislauf-Forschung zu fördern. Auch setzt sich die Deutsche Herzstiftung intensiv für Kinder und Jugendliche mit angeborenem Herzfehler und deren Eltern sowie für Erwachsene mit angeborenem Herzfehler (EMAH) ein. Die enge Bindung zur Wissenschaft ist die Stärke der Deutschen Herzstiftung. Der Verein mit Sitz in Frankfurt am Main wurde im Jahr 1979 von Kardiologen gegründet und hat inzwischen über 100.000 Mitglieder. Schirmherrin der Deutschen Herzstiftung ist seit 1987 Barbara Genscher. Die Deutsche Herzstiftung finanziert ihre Arbeit mit Hilfe von Spenden, Mitgliedsbeitragen sowie Erbschaften und Vermächtnissen.

 

 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. med. Tanja Rädle-Hurst

Tel.: (06841) 1628306

E-Mail: tanja.raedle-hurst@uks.eu